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Überraschung im Silver Valley: Was unter einer alten Silbermine noch verborgen liegt

Überraschung im Silver Valley: Was unter einer alten Silbermine noch verborgen liegt

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Eine Silbermine, die seit Generationen bekannt ist, intensiv erkundet wurde und noch immer produziert. Eigentlich sollte man meinen, dass die Geologen dort inzwischen ziemlich genau wissen, was unter der Erde liegt.

Die jüngsten Bohrergebnisse aus Idaho zeigen, dass diese Annahme falsch sein kann.

Americas Gold and Silver meldete am 18. September neue hochgradige Silberfunde im Galena Complex im historischen Silver Valley von Idaho. Besonders interessant ist eine neu entdeckte Ader auf dem sogenannten Level 49: Dort traf eine Bohrung auf rund 1.062 Gramm Silber je Tonne über 1,3 Meter, begleitet von Kupfer und Antimon.

Doch es geht noch deutlich höher.

Bei der sogenannten 9 Vein, die erst 2026 in einem Gebiet ohne vorherige Aderprojektionen entdeckt wurde, meldet das Unternehmen einen Abschnitt mit 7.123 Gramm Silber je Tonne über 0,4 Meter. Hinzu kommen 3,24 Prozent Kupfer und 1,81 Prozent Antimon.

Mehr als sieben Kilogramm Silber in einer Tonne Gestein.

Das ist eine Zahl, die Aufmerksamkeit verdient. Man sollte daraus allerdings nicht den falschen Schluss ziehen.

Ein spektakulärer Bohrkern ist noch keine Silberproduktion

Hohe Silbergehalte hören sich zunächst so an, als müsse man nur anfangen zu graben und schon stehe zusätzliches Metall für den Weltmarkt zur Verfügung.

Bergbau funktioniert nicht so.

Ein einzelner hochgradiger Abschnitt sagt noch nichts darüber aus, wie groß eine Lagerstätte insgesamt ist. Geologen müssen die Ausdehnung der Mineralisierung durch weitere Bohrungen bestimmen. Anschließend müssen Ressourcen berechnet, Abbaupläne entwickelt und die Wirtschaftlichkeit bewertet werden.

Bei der 9 Vein hat das Unternehmen inzwischen rund 85 Meter entlang der Ader aufgefahren und zusätzliche Bohrmöglichkeiten geschaffen, um deren Ausdehnung besser bestimmen zu können. Die Geschichte dieser Entdeckung ist also noch längst nicht abgeschlossen.

Interessant ist außerdem, wo diese Funde gemacht werden.

Die Explorationsarbeiten bei Galena konzentrierten sich 2026 bislang auf Bereiche oberhalb von 6.000 Fuß Tiefe. Americas Gold and Silver verweist darauf, dass benachbarte Minen entlang derselben geologischen Struktur Tiefen von mehr als 10.000 Fuß erreichen. Das Unternehmen sieht deshalb weiteres Explorationspotenzial unterhalb der bestehenden Bereiche. Das ist allerdings zunächst die Einschätzung des Unternehmens und kein Nachweis zusätzlicher Reserven.

Und genau hier wird die Meldung für den Silbermarkt interessant

Denn gleichzeitig zeigt der weltweite Silbermarkt, wie schwer es ist, das Minenangebot schnell auszuweiten.

Nach dem World Silver Survey 2026 stieg die weltweite Minenproduktion 2025 zwar um drei Prozent auf 846,6 Millionen Unzen. Für 2026 erwartet das Silver Institute jedoch praktisch keine weitere Steigerung. Probleme mit Erzgehalten und operative Schwierigkeiten in wichtigen Förderregionen sollen das Wachstum einiger anderer Minen weitgehend ausgleichen.

Gleichzeitig soll der Silbermarkt 2026 erneut mehr Metall verbrauchen, als durch Minenproduktion und Recycling zur Verfügung steht.

Das erwartete Defizit beträgt für dieses Jahr rund 46,3 Millionen Unzen.

Noch bemerkenswerter ist die langfristige Betrachtung: 2026 wäre damit das sechste Defizitjahr in Folge. Über diese sechs Jahre summiert sich die rechnerische Lücke laut Silver Institute auf 762,1 Millionen Unzen Silber.

Das entspricht rund 23.705 Tonnen.

Silber im Boden ist noch lange kein Silber am Markt

Genau deshalb finde ich die aktuellen Ergebnisse aus Idaho so interessant.

Sie zeigen zwei Seiten desselben Rohstoffmarktes.

Offensichtlich existieren selbst in einem historischen und intensiv erschlossenen Silberrevier noch hochgradige Strukturen, die bislang nicht bekannt waren.

Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der weltweiten Minenproduktion, wie langsam solche Entdeckungen tatsächlich in zusätzlich verfügbares Metall übersetzt werden.

Zwischen einem Bohrkern mit 7.123 Gramm Silber je Tonne und einem Silberbarren liegen Exploration, weitere Bohrungen, Ressourcenberechnung, Investitionen, Infrastruktur, Abbau und Aufbereitung.

Und selbst außergewöhnliche Gehalte ändern daran nichts.

Hinzu kommt eine Besonderheit des Silbermarktes: Ein erheblicher Teil des weltweit geförderten Silbers entsteht als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle. 2025 waren Blei- und Zinkminen weiterhin die größte Quelle der weltweiten Silberproduktion. Auch Kupfer- und Goldminen liefern erhebliche Mengen Silber.

Ein steigender Silberpreis führt deshalb nicht automatisch zu entsprechend steigender Silberförderung.

Meine Einschätzung

Für mich liegt genau darin die eigentliche Nachricht aus Idaho.

Nicht die Zahl von 7.123 Gramm Silber je Tonne allein ist entscheidend.

Bemerkenswerter ist, dass solche Strukturen in einem historischen Bergbaurevier noch heute entdeckt werden können und trotzdem nicht kurzfristig das Angebotsproblem des Silbermarktes lösen.

Das Silber ist geologisch vorhanden.

Die entscheidende Frage lautet jedoch immer:

Wie viel davon kann wirtschaftlich gefördert werden – und wie schnell gelangt dieses Silber tatsächlich auf den Markt?

Die aktuellen Bohrergebnisse aus dem Silver Valley liefern darauf noch keine endgültige Antwort. Aber sie zeigen sehr anschaulich, warum zwischen einem spektakulären Fund unter Tage und zusätzlichem Silberangebot über Tage ein erheblicher Unterschied besteht.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt weder eine Kauf- noch eine Verkaufsempfehlung für Silber, Edelmetalle, Aktien oder andere Anlageprodukte dar. Er dient ausschließlich der Information und gibt meine persönliche Einschätzung der beschriebenen Entwicklungen wieder.

Quellen: Americas Gold and Silver Corporation, Unternehmensmeldung vom 18.09.2026; U.S. Securities and Exchange Commission (SEC); The Silver Institute / World Silver Survey 2026.