Pensionskassen investieren in Gold. Noch sind es einzelne Altersvorsorger, doch die Beispiele aus den Niederlanden, Großbritannien, den USA und Australien sind bemerkenswert. Einige setzen Gold gezielt als Ergänzung zu Aktien und Staatsanleihen ein. Gleichzeitig kaufen Zentralbanken seit Jahren große Mengen Gold. Was sehen diese langfristig denkenden Institutionen in einem Vermögenswert, der keine Zinsen und keine Dividenden zahlt?
Weniger Staatsanleihen, dafür physisches Gold
Ein besonders interessantes Beispiel liefert der niederländische Pensionsfonds PDN.
Nach einer Überprüfung seiner langfristigen Anlagestrategie entschied der Fonds 2020, seinen Anteil an Staatsanleihen um rund zehn Prozentpunkte zu reduzieren. Damals lagen die Renditen deutscher Staatsanleihen teilweise im negativen Bereich. Gleichzeitig beschäftigte sich PDN mit Inflationsrisiken, steigender Verschuldung und der Widerstandsfähigkeit seines Portfolios.
Die Hälfte der durch die Reduzierung der Staatsanleihen frei gewordenen Mittel floss in Gold. Zwischen Oktober 2020 und April 2021 baute PDN damit eine Goldquote von fünf Prozent auf.
Bemerkenswert ist die Umsetzung: PDN kaufte tatsächlich physisches Gold. Ende 2024 besaß der Fonds 414 Good-Delivery-Barren mit einem Gesamtgewicht von 5.185 Kilogramm. Ihr damaliger Wert lag bei rund 420 Millionen Euro.
PDN ist nicht allein. Der World Gold Council nennt weitere Beispiele. Die Fairfax County Retirement Systems in den USA halten rund drei Prozent Goldexposure über Futures. Beim britischen Anbieter Now: Pensions sind es etwa zwei Prozent. Der australische Fonds NGS Super hält seit 2020 eine Goldquote von derzeit rund drei Prozent.
Die Umsetzung unterscheidet sich also. Während PDN physisches Metall besitzt, nutzen andere Pensionsfonds Finanzinstrumente.
Zentralbanken kaufen seit Jahren große Mengen Gold
Was bei Pensionsfonds bislang nur vereinzelt zu beobachten ist, hat bei Zentralbanken längst eine andere Größenordnung erreicht.
Nach Angaben des World Gold Council haben Zentralbanken während der vergangenen vier Jahre durchschnittlich rund 1.000 Tonnen Gold pro Jahr hinzugekauft. Im vorhergehenden Jahrzehnt waren es durchschnittlich etwa 500 Tonnen jährlich.
Dabei schwanken die Mengen von Jahr zu Jahr. 2022 kauften Zentralbanken rund 1.136 Tonnen. Auch 2023 und 2024 lagen die Käufe oberhalb von 1.000 Tonnen. 2025 waren es rund 863 Tonnen.
Warum Zentralbanken Gold halten, muss man nicht vermuten. In der Zentralbankumfrage 2026 des World Gold Council nannten 90 Prozent der Befragten das Verhalten von Gold in Krisenzeiten als wichtigen Faktor. 84 Prozent verwiesen auf seine Funktion als langfristigen Wertspeicher und 83 Prozent auf die breitere Verteilung der Reserven.
Gleichzeitig erwarten 74 Prozent der befragten Reserveverwalter, dass der Anteil des US-Dollars an den weltweiten Währungsreserven innerhalb der kommenden fünf Jahre moderat oder deutlich zurückgehen wird.
Das bedeutet nicht, dass Zentralbanken den Dollar oder Staatsanleihen abschreiben. Es zeigt vielmehr, dass viele Reserveverwalter ihre Abhängigkeit von einzelnen Anlageklassen und Währungen begrenzen wollen.
Was unterscheidet Gold?
Eine Staatsanleihe ist eine Forderung gegenüber einem Staat. Ein Bankguthaben ist eine Forderung gegenüber einer Bank. Eine Aktie ist eine Beteiligung an einem Unternehmen.
Physisches Gold funktioniert anders.
Ein Goldbarren hat keinen Schuldner. Niemand muss ihn zurückzahlen. Kein Unternehmen muss dafür Gewinne erwirtschaften und kein Staat Zinsen oder Tilgung leisten.
Dafür erwirtschaftet Gold selbst auch keinen laufenden Ertrag.
Was bei einer klassischen Renditebetrachtung als Nachteil erscheint, kann bei der Absicherung eines Vermögens deshalb eine besondere Eigenschaft sein: Der Wert des Goldes hängt nicht davon ab, ob ein Schuldner sein Zahlungsversprechen erfüllt.
Damit bekommt auch die häufig verwendete Beschreibung von Gold als „unproduktiv“ eine andere Bedeutung. Gold soll in diesen Portfolios nicht die Aufgabe einer Aktie oder Anleihe übernehmen. Es erfüllt eine andere Funktion.
Wenn Aktien und Anleihen gleichzeitig fallen
Lange galt eine relativ einfache Arbeitsteilung: Aktien sorgen für Wachstum, Staatsanleihen für Stabilität.
In den vergangenen Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass beide Anlageklassen gleichzeitig unter Druck geraten können. Besonders deutlich wurde das ab 2022. Steigende Zinsen belasteten damals sowohl Anleihekurse als auch viele Aktienmärkte.
Genau hier setzt die Überlegung einiger Pensionsfonds an. Wenn Staatsanleihen ein Aktienportfolio nicht in jeder Marktsituation ausreichend stabilisieren, werden zusätzliche Bausteine interessant.
Das bedeutet weder, dass Staatsanleihen ihre Bedeutung verlieren werden, noch dass Pensionsfonds nun massenhaft Gold kaufen. Dafür gibt es keine Belege.
Auffällig ist vielmehr, wer Gold inzwischen strategisch einsetzt: Zentralbanken kaufen seit Jahren große Mengen, während einzelne Altersvorsorger beginnen, Gold in ihre langfristige Portfolioplanung einzubeziehen.
Vielleicht besteht eine der wichtigsten Eigenschaften von Gold deshalb gerade darin, dass es nichts verspricht.
Es ist kein Zahlungsversprechen eines Staates, keine Forderung gegenüber einer Bank und keine Verpflichtung eines Unternehmens.
Investieren deutsche Pensionskassen in Gold?
Während Pensionsfonds in den Niederlanden, Großbritannien, den USA und Australien Gold bereits gezielt als strategischen Baustein ihrer Portfolios einsetzen, ist bei deutschen Pensionskassen bislang keine vergleichbare Entwicklung öffentlich erkennbar.
Warum sehen Altersvorsorger in anderen Ländern Gold zunehmend als zusätzlichen Sicherheitsbaustein, während Deutschland dabei bisher kaum in Erscheinung tritt?
Geht Deutschland auch hier einen Sonderweg oder findet diese Diskussion längst statt, nur außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung?
Hinweis: Dieser Beitrag stellt die persönliche Einschätzung von BCI dar und dient ausschließlich der Information. Er ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Edelmetallen oder anderen Anlageprodukten.
Quellen: World Gold Council, Gold in Pension Funds: Case Studies, Oktober 2026; World Gold Council, Central Bank Gold Reserves Survey 2026; World Gold Council, Gold Demand Trends; Pensioenfonds PDN, Veröffentlichungen zur Anlagestrategie und zum physischen Goldbestand.