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Kommentar von Guido Makowski: Neue Zahlungswege gegen westliche Dominanz?

Kommentar von Guido Makowski: Neue Zahlungswege gegen westliche Dominanz?

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Dies ist keine reine Nachrichtenzusammenfassung. Es ist meine Einordnung zu mehreren Entwicklungen der letzten Tage, die einzeln betrachtet technisch wirken, zusammen aber eine klare Richtung zeigen.

Russland öffnet Kryptowährungen für den Außenhandel. China stärkt den Renminbi in Europa. Hongkong baut neue Strukturen für den Goldhandel auf. Innerhalb der BRICS wird über die Verbindung nationaler Zahlungssysteme und digitaler Zentralbankwährungen gesprochen.

Das ist noch kein neues Weltfinanzsystem. Es ist auch keine fertige Alternative zu SWIFT. Aber es zeigt: Staaten außerhalb des westlichen Machtzentrums arbeiten an Strukturen, um sich weniger abhängig von Dollar, SWIFT und westlichen Banken zu machen.

Salopp gesagt: Der Osten baut Zahlungswege, damit er sich nicht mehr so leicht durch Sanktionen vom weltweiten Wirtschaftssystem ausgrenzen lässt.

Russland öffnet Krypto für den Außenhandel

Russland führt zum 1. September 2026 eine neue Kryptoregulierung ein. Entscheidend ist nicht der private Alltag, sondern der internationale Handel.

Nach Angaben der russischen Zentralbank dürfen Exporteure und Importeure Kryptowährungen künftig für grenzüberschreitende Zahlungen ohne Beschränkungen nutzen. Im Inland bleibt der Rubel gesetzliches Zahlungsmittel, Kryptowährungen bleiben dort als Zahlungsmittel verboten.

Damit schafft Russland einen rechtlichen Rahmen für Zahlungen außerhalb klassischer Bankwege. Für ein Land, das seit Jahren unter westlichen Sanktionen steht, ist das kein Nebenthema. Es geht um Handlungsfähigkeit im Außenhandel.

Parallel beginnt Russland mit der breiteren Einführung des digitalen Rubels. Große Banken und bestimmte Händler sollen ab dem 1. September 2026 entsprechende Infrastruktur bereitstellen. Russland setzt damit nicht nur auf private Kryptowährungen, sondern auch auf staatliches digitales Zentralbankgeld.

China stärkt den Renminbi in Europa

China geht einen anderen Weg. Es arbeitet weniger sichtbar über Krypto, sondern stärker über klassische Finanzinfrastruktur.

Die Deutsche Bank wurde von der chinesischen Zentralbank als Renminbi-Clearingbank für Europa benannt. Dadurch sollen europäische Finanzinstitute und Unternehmen Renminbi-Zahlungen direkter abwickeln, verrechnen und abrechnen können.

Das bedeutet nicht, dass sich die Deutsche Bank vom westlichen Finanzsystem abwendet. Sie erweitert ihre Rolle in einer Finanzwelt, die breiter und multipolarer wird. Eine große internationale Bank will dort eingebunden sein, wo Zahlungsströme, Handel und Liquidität entstehen.

Wichtig ist auch: Die Deutsche Bank war nach Angaben der Financial Times bereits seit 2015 direkter Teilnehmer am chinesischen Zahlungssystem CIPS. Das neue RMB-Clearingmandat ist deshalb kein plötzlicher Bruch, sondern ein weiterer Schritt in einer länger laufenden Internationalisierung des Renminbi.

Für China ist dieser Schritt bedeutsam. Der Renminbi soll im internationalen Handel und bei Investitionen häufiger genutzt werden. Je einfacher die Abwicklung in Europa wird, desto eher kann der Yuan im China-Geschäft praktische Bedeutung gewinnen.

Hongkong baut Goldstrukturen aus

Besonders interessant ist, dass China nicht nur seine Zahlungswege stärkt. Parallel werden auch Goldstrukturen ausgebaut.

Hongkong hat im Juli 2026 ein zentrales Gold-Clearing- und Abwicklungssystem in den Testbetrieb genommen. Dazu gehören unter anderem die erste Phase von „Delivery Connect“ mit der Shanghai Gold Exchange, ein neuer HAU-Preisindikator, der Ausbau von Lager- und Raffineriekapazitäten sowie zusätzliche Goldprodukte.

Das ist für die Einordnung entscheidend. China arbeitet nicht nur daran, den Renminbi international nutzbarer zu machen. China stärkt auch die Infrastruktur für physischen Goldhandel.

Damit wird der Zusammenhang zu Edelmetallen konkreter. Es geht nicht nur um digitale Technik oder neue Zahlungswege. Es geht auch um reale Werte, Lagerung, Lieferung, Abwicklung und die Frage, wo künftig Preisbildung und physischer Handel stärker stattfinden.

Kein Bruch, sondern ein Aufbau von Alternativen

Man sollte diese Entwicklung nicht überzeichnen. Der Dollar verschwindet nicht. SWIFT bleibt wichtig. Westliche Banken bleiben zentrale Akteure.

Aber die Selbstverständlichkeit westlicher Dominanz wird schwächer.

Genau darin liegt der Kern. Es entsteht nicht plötzlich ein neues System, das das alte ersetzt. Es entstehen zusätzliche Wege: nationale Währungen, digitale Zentralbankwährungen, Krypto-Abwicklung im Außenhandel, direkte Clearingstrukturen, regionale Zahlungssysteme und neue Goldhandelsplätze.

Das ist weniger spektakulär als die Ankündigung einer neuen Weltwährung. Aber es kann langfristig wirksamer sein, weil Infrastruktur Schritt für Schritt aufgebaut wird.

Was hat das mit Gold zu tun?

Gold ist kein Zahlungssystem. Gold ersetzt weder SWIFT noch den Dollar.

Trotzdem ist Gold in diesem Zusammenhang wichtig, weil es außerhalb solcher Zahlungsstrukturen steht. Ein Bankguthaben ist eine Forderung. Eine Währung hängt an einem Staat. Ein Zahlungssystem kann kontrolliert, blockiert oder sanktioniert werden. Gold ist ein realer Vermögenswert ohne direkten Schuldner.

Genau deshalb spielt Gold bei Zentralbanken, Staaten und großen Marktteilnehmern weiterhin eine besondere Rolle. Nicht aus Nostalgie, sondern weil es in einer politischeren Finanzwelt eine neutrale Reservefunktion erfüllen kann.

Für den Goldpreis bedeutet das keine automatische Bewegung. Kurzfristig wirken weiterhin Zinsen, Dollar, Inflationserwartungen, geopolitische Risiken, Zentralbankkäufe, ETF-Flüsse, Terminmärkte und physische Nachfrage.

Langfristig kann diese Entwicklung aber ein goldfreundliches Umfeld unterstützen. Wenn mehr Staaten nach Wegen suchen, sich unabhängiger von westlichen Zahlungsstrukturen zu machen, wird die Frage nach neutralen Reserven wichtiger.

Die eigentliche Konsequenz

Die eigentliche Konsequenz liegt nicht in einer einzelnen Meldung. Sie liegt im Gesamtbild.

Russland schafft legale Wege für Krypto im Außenhandel. China bringt den Renminbi stärker in europäische Finanzstrukturen. Hongkong baut Goldinfrastruktur aus. BRICS-Staaten diskutieren die Verbindung nationaler Zahlungssysteme und digitaler Zentralbankwährungen.

Das zeigt: Die Welt bewegt sich nicht mehr nur entlang einer westlich dominierten Finanzachse.

Für private Anleger ist das eine wichtige Einordnung. Wer Edelmetalle nur über den Tagespreis betrachtet, übersieht den größeren Zusammenhang. Gold ist nicht interessant, weil es jeden Tag steigen muss. Gold ist interessant, weil es eine andere Qualität besitzt als digitale Ansprüche, Bankguthaben oder Zahlungsversprechen.

Fazit

Russlands Kryptogesetz, Chinas Renminbi-Clearing in Europa, Hongkongs neue Goldstruktur und die BRICS-Diskussionen über alternative Zahlungswege sind Mosaiksteine einer größeren Entwicklung.

Der Osten baut Strukturen auf, um unabhängiger von westlich kontrollierten Finanzkanälen zu werden. Das ist noch kein fertiger Gegenpol zu SWIFT. Aber es ist ein sichtbarer Schritt in diese Richtung.

Für Gold ist das kein kurzfristiges Kaufsignal und keine Preisgarantie. Es ist aber ein weiterer Hinweis darauf, warum reale Reserven in einer digitaleren, politischeren und stärker aufgeteilten Finanzwelt nicht an Bedeutung verlieren.

Gold ersetzt kein Zahlungssystem.
Aber Gold steht außerhalb vieler Systeme.

Genau das macht es in solchen Zeiten so beachtenswert.

Hinweis

Dieser Beitrag ist ein Kommentar von Guido Makowski und dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er stellt keine Anlageberatung, keine individuelle Empfehlung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Edelmetallen, Kryptowährungen oder sonstigen Finanzprodukten dar. Edelmetalle und Kryptowerte unterliegen Preis- und Marktschwankungen. Politische und regulatorische Entwicklungen können Märkte beeinflussen, garantieren aber keine bestimmte Preisentwicklung.

Quellen und Erfahrungsgrundlage

Bank of Russia: Russland führt zum 1. September 2026 eine neue Kryptoregulierung ein. Exporteure und Importeure dürfen Kryptowährungen für grenzüberschreitende Zahlungen ohne Beschränkungen nutzen; Zahlungen mit Kryptowährungen innerhalb Russlands bleiben verboten.

Bank of Russia: Die breitere Einführung des digitalen Rubels soll am 1. September 2026 beginnen. Digitale Rubel-Wallets sollen über angeschlossene Bank-Apps nutzbar sein; große Banken und bestimmte Händler sollen entsprechende Infrastruktur bereitstellen.

Deutsche Bank / Reuters: Die Deutsche Bank wurde von der People’s Bank of China als Renminbi-Clearingbank für Europa in Frankfurt benannt. Reuters ordnet dies als ersten solchen Schritt für eine europäische Bank ein.

Financial Times: Die Deutsche Bank wird als erste nicht-chinesische, in Europa ansässige RMB-Clearingbank eingeordnet; zugleich wird berichtet, dass die Bank bereits seit 2015 direkter Teilnehmer am chinesischen Zahlungssystem CIPS war.

Hong Kong Government / Financial Services & the Treasury Bureau: Hongkong startete im Juli 2026 den Testbetrieb eines zentralen Gold-Clearing- und Abwicklungssystems. Zu den Maßnahmen gehören „Delivery Connect“ mit der Shanghai Gold Exchange, ein neuer HAU-Preisindikator, der Ausbau von Lager- und Raffineriekapazitäten sowie zusätzliche Goldprodukte.

Reuters Breakingviews: Reuters ordnete Hongkongs Goldinitiative als Teil von Chinas Bemühungen ein, Hongkong als wichtigeren Goldhandels- und Abwicklungsplatz auszubauen.

Reuters: BRICS-Staaten diskutieren die Verknüpfung nationaler schneller Zahlungssysteme und digitaler Zentralbankwährungen; die Gespräche befinden sich laut RBI-Gouverneur Sanjay Malhotra noch in einem frühen Stadium.

Persönliche Erfahrung Guido Makowski: Mehr als 40 Jahre Beobachtung des Edelmetallmarktes, insbesondere physische Nachfrage, Kundenverhalten, Gold, Marktpsychologie und das Verhältnis von Vertrauen, Geldsystem und realem Besitz.