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Gold und Silber im September: Wenn die Zukunft nicht der Vergangenheit folgt

Gold und Silber im September: Wenn die Zukunft nicht der Vergangenheit folgt

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Ein persönlicher Kommentar von Guido Makowski, BCI – Best Coins Investment

Im Juli war ich davon überzeugt, dass wir ab Mitte bis Ende September wieder steigende Preise bei Gold und Silber sehen würden. Wer mich kennt, weiß, dass solche Einschätzungen bei mir nicht aus einem Bauchgefühl heraus entstehen. Ich beobachte den Edelmetallmarkt seit vielen Jahrzehnten und natürlich spielt dabei auch die Vergangenheit eine Rolle. Man schaut, wie sich Gold und Silber in vergleichbaren Situationen verhalten haben, welche Monate häufig stark oder schwach waren und versucht daraus abzuleiten, was als Nächstes passieren könnte.

Heute ist der 28. September und ich weiß: Mit meiner Einschätzung lag ich daneben.

Das ist für mich zunächst kein Problem. Wer sich mit Märkten beschäftigt und behauptet, immer richtigzuliegen, sollte wahrscheinlich kritischer betrachtet werden als jemand, der einen Irrtum offen zugibt. Viel interessanter ist für mich die Frage, warum meine Erwartung nicht eingetroffen ist.

Der September war schließlich nicht willkürlich gewählt. Historisch hatte dieser Monat beim Gold durchaus seine Bedeutung. Besonders in früheren Jahrzehnten war eine saisonale Stärke erkennbar. Später hat sich dieses Bild verändert und ein Teil der Bewegung scheint sich in Richtung August verschoben zu haben. Ausgerechnet in diesem Jahr hatten wir bereits einen ausgesprochen starken August.

Man könnte es sich jetzt einfach machen und sagen: Die Bewegung kam eben früher.

Vielleicht stimmt das sogar.

Aber mir reicht diese Erklärung nicht.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr beschäftigt mich eine grundsätzlichere Frage: Wie viel Wert haben historische Vergleiche, wenn sich die Bedingungen verändern, unter denen diese historischen Erfahrungen entstanden sind?

Wir rechnen an den Finanzmärkten ständig mit der Vergangenheit. Wir suchen Muster, vergleichen Zinsen, Dollar, Inflation, Nachfrage, Konjunktur und frühere Krisen. Daraus entstehen Modelle und Wahrscheinlichkeiten. Das ist sinnvoll und darauf sollten wir auch weiterhin nicht verzichten.

Es gibt dabei allerdings eine Voraussetzung, über die selten gesprochen wird: Die Welt, für die wir diese Modelle verwenden, muss der Welt, aus der ihre Daten stammen, zumindest einigermaßen ähnlich sein.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Jahr 1971. Am 15. August beendete US-Präsident Richard Nixon die direkte Umtauschbarkeit des Dollars in Gold für ausländische Zentralbanken. Die Mathematik änderte sich dadurch natürlich nicht. Was sich änderte, waren die Voraussetzungen, unter denen gerechnet wurde.

Genau dieser Unterschied beschäftigt mich heute.

Ich behaupte damit nicht, dass wir unmittelbar vor einem Ereignis wie 1971 stehen. Vielleicht erleben wir lediglich eine außergewöhnliche Marktphase und irgendwann greifen die bekannten Zusammenhänge wieder so, wie wir es gewohnt sind.

Aber was ist, wenn die Veränderungen dieses Mal tiefer gehen?

Wir sehen Verschiebungen bei internationalen Kapitalströmen, ungewöhnlich hohe Goldkäufe von Zentralbanken und eine wachsende Bedeutung asiatischer Märkte. Gleichzeitig verändern Staatsverschuldung, technologische Entwicklungen und geopolitische Verschiebungen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Keine dieser Entwicklungen beweist für sich genommen einen grundlegenden Wandel.

Interessant wird es dort, wo mehrere Entwicklungen gleichzeitig stattfinden und bekannte Zusammenhänge nicht mehr so zuverlässig funktionieren wie früher.

Vielleicht sollten wir dann nicht versuchen, jede Kursbewegung so lange zu erklären, bis sie wieder zu unseren bisherigen Erfahrungen passt. Eine Abweichung kann schließlich selbst eine wichtige Information sein.

Meine falsche September-Einschätzung hat mich deshalb zu einer viel größeren Frage geführt als der, ob Gold oder Silber im kommenden Monat steigen oder fallen.

Wir leben in einer Zeit großer Veränderungen. Vieles von dem, was hinter uns liegt, können wir untersuchen, berechnen und miteinander vergleichen. Wir kennen die Geschichte und können aus ihr lernen.

Aber was geschieht, wenn die Veränderungen vor uns größer sind als die Erfahrungen, auf die wir zurückblicken können?

Die Vergangenheit kennen wir. Was wird uns die Zukunft bringen?

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein persönlicher Kommentar von Guido Makowski, BCI – Best Coins Investment. Er gibt meine persönliche Einschätzung wieder und dient ausschließlich der Information und Einordnung. Er stellt weder eine Kauf- noch eine Verkaufsempfehlung für Gold, Silber oder andere Anlageprodukte dar.