Zwei Zinserhöhungen, zeitweise mehr als 5 Prozent Rendite bei zehnjährigen US-Staatsanleihen und weiterhin hohe Energiepreise: Für Gold war das Umfeld in dieser Woche alles andere als günstig. Trotzdem erholte sich der Preis nach dem Rückschlag zur Wochenmitte. Silber zeigte zum Schluss sogar noch mehr Dynamik. Gleichzeitig kamen aus Neu-Delhi und China Entwicklungen, die über die kurzfristigen Kursbewegungen hinausreichen.
BRICS: Keine neue Währung, aber weniger Abhängigkeit vom Dollar
Zum Auftakt der Woche trafen sich die BRICS-Staaten in Neu-Delhi. In der gemeinsamen Erklärung findet sich keine neue BRICS-Währung. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf dem Ausbau des Handels in nationalen Währungen und einer besseren Verbindung grenzüberschreitender Zahlungssysteme. Auch die New Development Bank soll Finanzierungen in lokalen Währungen ausweiten.
Damit verfolgen die BRICS einen eher schrittweisen Kurs. Statt den Dollar kurzfristig ersetzen zu wollen, entstehen zusätzliche Strukturen für Handel, Finanzierung und Zahlungsverkehr außerhalb der bisher dominierenden Systeme.
Für den Goldpreis lässt sich daraus keine unmittelbare Wirkung ableiten. Für den Goldmarkt ist die Entwicklung dennoch relevant. Je stärker Staaten ihre Währungsreserven und internationalen Zahlungswege diversifizieren, desto interessanter wird die Frage, welche Rolle Gold als Reserve ohne Gegenparteirisiko dabei spielt.
Hohe Energiepreise bringen die Inflation zurück
Während die BRICS über die längerfristige Finanzarchitektur diskutierten, bestimmten Energiepreise und Inflation das Tagesgeschäft.
Die Spannungen im Nahen Osten hatten Öl und andere Energieträger verteuert. Am US-Anleihemarkt stiegen die Renditen kräftig. Zehnjährige US-Staatsanleihen überschritten zeitweise die Marke von 5 Prozent.
Das erhöht den Druck auf Gold. Anleger erhalten auf Staatsanleihen wieder Renditen, die eine ernsthafte Alternative zu einem unverzinsten Edelmetall darstellen.
Die Fed erhöht – Gold fällt
Am Mittwoch erhöhte die US-Notenbank ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Es war die erste Zinserhöhung der Fed seit 2023.
Gold geriet anschließend unter Druck und erreichte zeitweise ein annäherndes Sechs-Wochen-Tief.
Der Rückgang hielt jedoch nicht lange. Bereits am Donnerstag erholte sich der Goldpreis kräftig. Der Dollar gab nach, die Ölpreise fielen und zuvor aufgebaute Positionen auf weiter sinkende Goldpreise wurden teilweise wieder geschlossen.
Die Reaktion zeigt zugleich, wie empfindlich Gold weiterhin auf die amerikanische Geldpolitik reagiert. Von einer Abkopplung des Goldpreises von Zinsen und Dollar kann keine Rede sein.
Großbritannien wartet
Die Bank of England beließ ihren Leitzins bei 3,75 Prozent. Drei der neun Mitglieder wollten ihn allerdings bereits auf 4 Prozent erhöhen.
Die britische Notenbank verwies dabei ausdrücklich auf die Inflationsrisiken durch die hohen Energiepreise. Gleichzeitig beschloss sie, ihren verbliebenen Bestand britischer Staatsanleihen über einen mehrjährigen Zeitraum vollständig abzubauen.
Auch ohne Zinserhöhung bleibt die britische Geldpolitik damit auf einem straffen Kurs.
Japan erhöht – die Edelmetalle steigen
Am Freitag erhöhte die Bank of Japan ihren Leitzins von 1,00 auf 1,25 Prozent. Japan erreichte damit das höchste Zinsniveau seit 31 Jahren.
Die Reaktion unterschied sich deutlich von der Fed-Entscheidung zwei Tage zuvor.
Gold bewegte sich am Freitag wieder in Richtung 4.390 Dollar je Feinunze. Silber stieg auf etwa 66,70 Dollar und legte im Tagesverlauf stärker zu als Gold.
Die japanische Zinserhöhung war weitgehend erwartet worden. Zwei Mitglieder der Bank of Japan stimmten dagegen, und Notenbankchef Kazuo Ueda legte keinen aggressiven weiteren Zinspfad fest. Der Yen wurde nach der Entscheidung sogar schwächer.
Gleichzeitig waren die Ölpreise bereits den dritten Tag in Folge gefallen. Der unmittelbare Inflationsdruck ließ dadurch etwas nach.
Die unterschiedlichen Reaktionen auf Fed und Bank of Japan zeigen, wie stark Erwartungen inzwischen die Kurse bestimmen. Bei der Fed musste der Markt einen möglicherweise länger anhaltenden Straffungskurs verarbeiten. Die japanische Erhöhung war dagegen bereits weitgehend eingepreist.
China liefert ein geteiltes Bild
Aus China kamen in dieser Woche Zahlen, die besonders für Silber interessant sind.
Die Industrieproduktion stieg im August gegenüber dem Vorjahr um 5,2 Prozent. Das verarbeitende Gewerbe wuchs um 6,1 Prozent, die Hightech-Produktion sogar um 16,7 Prozent.
Der private Konsum hielt damit nicht Schritt. Die Einzelhandelsumsätze erhöhten sich lediglich um 0,4 Prozent.
Für Silber ist vor allem die industrielle Seite interessant. China ist für zahlreiche silberintensive Anwendungen von Bedeutung. Eine weiterhin wachsende Industrie kann die Nachfrage nach dem Metall stützen, während eine schwache Konsumentwicklung gleichzeitig vor zu viel Konjunkturoptimismus warnt.
Eine Woche mit zwei Zeithorizonten
Kurzfristig bestimmten Zinsen, Energiepreise, Dollar und Anleiherenditen die Edelmetallmärkte. Die Reaktion auf die Fed hat gezeigt, dass diese klassischen Einflussfaktoren weiterhin funktionieren.
Parallel laufen Veränderungen, deren Bedeutung sich nicht an einem einzelnen Handelstag messen lässt. Die BRICS bauen die Nutzung nationaler Währungen und alternative Zahlungswege aus. China entwickelt seine industrielle Basis weiter, obwohl der heimische Konsum schwach bleibt.
Gold beendete die Woche trotz des schwierigen Zinsumfelds im Plus. Silber zeigte zum Wochenschluss die stärkere Bewegung.
Für die nächsten Wochen lohnt deshalb besonders der Blick auf die Ursache weiterer Zinsschritte. Bleiben hohe Energiepreise der Treiber, stehen die Zentralbanken vor einem unangenehmen Problem: Sie können mit höheren Zinsen die Nachfrage bremsen, aber keine zusätzliche Energie produzieren.
Für Gold und Silber könnte genau dieser Konflikt wichtiger werden als die nächste einzelne Zinsentscheidung.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die Sichtweise von BCI beziehungsweise die persönliche Einschätzung von Guido Makowski auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen und seiner jahrzehntelangen Beobachtung des Edelmetall- und Finanzmarktes wieder. Er stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Ebenso stellt dieser Beitrag keine Rechts- oder Steuerberatung dar.
Quellen:
Federal Reserve, FOMC Statement und Implementation Note, 16. September 2026
Bank of England, Monetary Policy Summary and Minutes, 17. September 2026
Bank of Japan, geldpolitische Entscheidung, 18. September 2026
National Bureau of Statistics of China, Wirtschaftsdaten August 2026
BRICS, New Delhi Declaration, September 2026
Reuters, internationale Markt-, Zentralbank-, Energie- und Edelmetallberichte, 12.–18. September 2026