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Der Wettlauf um Rohstoffe: Was Kanada, China und Deutschland wirklich im Boden haben

Der Wettlauf um Rohstoffe: Was Kanada, China und Deutschland wirklich im Boden haben

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Kanada mobilisiert Milliarden für neue Minen. Doch welche natürlichen Voraussetzungen haben Kanada, China und Deutschland überhaupt? Ein Blick auf Gold, Silber, Kupfer und die strategischen Rohstoffe der Zukunft.

Kanada hat Großes vor. Innerhalb von fünf Jahren sollen Investitionen von insgesamt einer Billion kanadischen Dollar mobilisiert werden. Ein erheblicher Teil der aktuellen Großprojekte betrifft Energie, Verkehrswege und Bergbau.

Interessant wird diese Nachricht, wenn man nicht nur auf das Geld schaut, sondern auf die Voraussetzung dafür: die Geologie.

Gold, Kupfer, Nickel, Zink, Graphit, Lithium, Uran und zahlreiche weitere Rohstoffe liegen im kanadischen Boden. Mehr als 60 Mineralien und Metalle werden bereits gewonnen, rund 200 Minen sind in Betrieb.

Gold nimmt dabei eine besondere Stellung ein. 2024 förderte Kanada rund 200 Tonnen und war damit der viertgrößte Goldproduzent der Welt. Der Wert der kanadischen Goldproduktion lag bei 16,9 Milliarden kanadischen Dollar.

Die kanadische Investitionsoffensive führt damit zu einer Frage, die weit über Kanada hinausgeht:

Was haben Kanada, China und Deutschland tatsächlich im Boden?

Kanadas geologisches Fundament

Ein großer Teil Kanadas liegt auf sehr alten Gesteinsformationen. Besonders bedeutend ist der Kanadische Schild, dessen geologische Geschichte teilweise Milliarden Jahre zurückreicht.

Alte Krustenbereiche, Grünsteingürtel, magmatische Komplexe und hydrothermal veränderte Zonen haben günstige Voraussetzungen für unterschiedliche metallische Lagerstätten geschaffen. Daraus resultieren große Goldvorkommen sowie bedeutende Lagerstätten von Nickel, Kupfer, Zink und Uran. Hinzu kommen Lithium, Graphit, Seltene Erden und weitere strategisch interessante Rohstoffe.

Rohstoffreichtum bedeutet allerdings nicht, bei jedem Metall weltweit führend zu sein.

Kanadas Kupferreserven wurden für 2024 auf rund 8,3 Millionen Tonnen geschätzt, etwa ein Prozent der bekannten weltweiten Reserven. Bei Nickel waren es rund 2,2 Millionen Tonnen. Die ausgewiesenen Goldreserven lagen dagegen bei etwa 3.200 Tonnen.

China hat weit mehr als Verarbeitungskapazitäten

China wird häufig vor allem mit seiner starken Stellung bei Verarbeitung und Raffination von Rohstoffen verbunden. Geologisch besitzt das Land jedoch selbst eine außergewöhnlich breite Rohstoffbasis.

Besonders deutlich wird das bei Seltenen Erden und Graphit.

Nach aktuellen Daten des U.S. Geological Survey verfügt China über rund 44 Millionen Tonnen Reserven an Seltenen Erden. Für Kanada werden etwa 830.000 Tonnen ausgewiesen.

Bei natürlichem Graphit liegen Chinas Reserven bei rund 100 Millionen Tonnen, gegenüber etwa 5,9 Millionen Tonnen in Kanada.

Auch bei Nickel liegt China mit geschätzten 4,4 Millionen Tonnen Reserven vor Kanada mit etwa 2,2 Millionen Tonnen. Bei Kupfer entfallen ungefähr vier Prozent der bekannten Weltreserven auf China und etwa ein Prozent auf Kanada.

Die enorme Fläche Kanadas bedeutet also keineswegs, dass das Land bei allen wichtigen Rohstoffen besser ausgestattet ist. Je nach Metall verschiebt sich das Bild erheblich.

Und was liegt unter Deutschland?

Deutschland wird häufig als rohstoffarmes Land bezeichnet. Zumindest bei metallischen Rohstoffen greift diese Beschreibung geologisch zu kurz.

Über Jahrhunderte wurden hier unter anderem Silber, Kupfer, Blei, Zink, Zinn und Wolfram abgebaut. Das Erzgebirge ist eines der bekanntesten Zeugnisse dieser Bergbaugeschichte.

Der klassische deutsche Metallerzbergbau verschwand Anfang der 1990er-Jahre weitgehend. Heute werden insbesondere Lithium- und Kupfervorkommen wieder intensiver untersucht. Im Erzgebirge und anderen Teilen Sachsens laufen außerdem Untersuchungen auf Rohstoffe wie Kobalt, Nickel, Mangan, Seltene Erden, Silber, Gold, Zinn und Wolfram.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat mehr als 100 Projekte beziehungsweise Vorkommen und Explorationsaktivitäten bei kritischen Rohstoffen in Deutschland untersucht.

Bei vielen davon steht allerdings noch nicht fest, welche Mengen tatsächlich wirtschaftlich gewonnen werden könnten.

Vorkommen, Ressource und Reserve sind nicht dasselbe

Dieser Unterschied ist entscheidend, wenn über neue Rohstofffunde berichtet wird.

Ein Vorkommen bedeutet zunächst, dass ein Rohstoff geologisch vorhanden ist.

Eine Ressource ist bereits genauer untersucht und hinsichtlich Menge und Qualität besser abschätzbar.

Als Reserve gilt der Teil einer Ressource, der unter den jeweiligen technischen und wirtschaftlichen Bedingungen als wirtschaftlich gewinnbar eingestuft wird.

Deshalb kann ein Land große Rohstoffvorkommen besitzen, ohne daraus nennenswerte Mengen zu fördern. Erzgehalt, Tiefe, Größe und Struktur einer Lagerstätte sowie die technische Aufbereitung entscheiden mit darüber, ob aus einem Fund tatsächlich eine Mine werden kann.

Gerade für Deutschland ist diese Unterscheidung wichtig. Viele Projekte befinden sich noch in Phasen, in denen Umfang und Wirtschaftlichkeit der möglichen Förderung erst genauer bestimmt werden müssen.

Drei Länder, drei geologische Ausgangslagen

Rohstoff Kanada China Deutschland
Gold Rund 200 t Förderung 2024; ca. 3.200 t Reserven Größter Minenproduzent 2024; ca. 3.100 t Reserven Vorkommen und Exploration; keine vergleichbare Primärförderung
Silber Bedeutende Lagerstätten, häufig Begleitmetall Bedeutende Vorkommen und Förderung Historischer Bergbau; Vorkommen weiterhin vorhanden
Kupfer Ca. 8,3 Mio. t Reserven Rund 4 % der Weltreserven Vorkommen und Exploration, insbesondere in Sachsen
Nickel Ca. 2,2 Mio. t Reserven Ca. 4,4 Mio. t Reserven Vorkommen bekannt
Lithium Großes Potenzial und zahlreiche Projekte Bedeutende Lagerstätten und Reserven Potenzial besonders in Sachsen und im Oberrheingraben
Wolfram Lagerstätten und Projekte vorhanden Außergewöhnlich große Reservebasis Vorkommen insbesondere im Erzgebirge
Graphit Ca. 5,9 Mio. t Reserven Ca. 100 Mio. t Reserven Vorkommen vorhanden
Seltene Erden Große Ressourcen; ca. 830.000 t Reserven Ca. 44 Mio. t Reserven Vorkommen bekannt

Der Vergleich zeigt, wie unterschiedlich die natürlichen Ausgangslagen sind. Vor allem widerlegt er zwei einfache Vorstellungen: Kanada ist trotz seines enormen Rohstoffreichtums nicht bei jedem wichtigen Metall führend. Und Deutschland ist geologisch keineswegs leer.

Der Wettlauf beginnt mit der Geologie

Kanadas aktuelle Investitionsoffensive zeigt, welche Bedeutung heimische Rohstoffvorkommen wieder bekommen. Neue Minen werden gemeinsam mit Straßen, Energieversorgung und Transportwegen geplant.

Milliardeninvestitionen können solche Projekte ermöglichen oder beschleunigen. Neue Lagerstätten können sie nicht schaffen.

China, Kanada und Deutschland starten deshalb bereits aufgrund ihrer Geologie mit unterschiedlichen Voraussetzungen in den weltweiten Wettlauf um Rohstoffe.

Kanada verfügt über riesige Flächen und eine breite mineralische Ausstattung. China besitzt bei einigen strategisch wichtigen Mineralien eine außergewöhnliche Reservebasis. Deutschland verfügt ebenfalls über interessante Vorkommen, doch bei vielen davon muss erst noch geklärt werden, was technisch und wirtschaftlich tatsächlich gewonnen werden kann.

Der aktuelle Blick nach Kanada zeigt deshalb mehr als ein gewaltiges Investitionsprogramm.

Bevor Staaten über Minen, Infrastruktur und Rohstoffstrategien entscheiden können, hat die Natur einen Teil der Karten längst verteilt.

Quellen

Natural Resources Canada: Minerals and the economy; Minerals and Metals Facts; Gold Facts; Copper Facts; Nickel Facts; Graphite Facts

Government of Canada: Canada Investment Summit 2026; Major Projects Office – Projects and transformative strategies; Canadian Critical Minerals Strategy

U.S. Geological Survey: Mineral Commodity Summaries 2026

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): Kritische mineralische Rohstoffe in Deutschland – Gewinnung und Exploration; Heimische mineralische Rohstoffe – unverzichtbar für Deutschland; Deutschland – Rohstoffsituation

Hinweis: Angaben zu Reserven und Ressourcen können sich durch neue Explorationsergebnisse, Rohstoffpreise, technische Entwicklungen und veränderte Wirtschaftlichkeitsannahmen verändern. Die genannten Werte geben den jeweiligen Datenstand der verwendeten Quellen wieder.