Am 4. Oktober wird in Brasilien gewählt. Für Gold und Silber könnte dabei weniger entscheidend sein, wer gewinnt, sondern welchen wirtschaftlichen Weg eines der rohstoffreichsten Länder der Welt anschließend einschlägt.
Brasilien ist Gründungsmitglied der BRICS, verfügt über bedeutende Rohstoffvorkommen und hat zuletzt den Goldanteil seiner Währungsreserven deutlich erhöht. Gleichzeitig suchen die BRICS nach Möglichkeiten, Handel und Zahlungsverkehr weniger abhängig vom US Dollar abzuwickeln.
Damit treffen in Brasilien Entwicklungen aufeinander, die weit über eine Präsidentschaftswahl hinausreichen.
Eine Rohstoffmacht innerhalb der BRICS
2024 war Brasilien der weltweit größte Produzent von Niob und der zweitgrößte Produzent von Eisenerz. Hinzu kommen Lithium, Nickel, Graphit, Bauxit, Gold und weitere Rohstoffe. Der Wert der brasilianischen Mineralproduktion lag 2024 bei rund 50 Milliarden US Dollar. Allein mit Gold wurden rund 4,4 Milliarden Dollar umgesetzt.
Brasilien besitzt damit etwas, das angesichts unsicherer Lieferketten und zunehmender Handelskonflikte an Bedeutung gewinnt: eine breite Basis an physischen Rohstoffen.
Das betrifft auch Silber, wenn auch nicht wegen der brasilianischen Förderung. Brasilien ist auf dem weltweiten Silbermarkt als Produzent vergleichsweise unbedeutend. Silber wird jedoch für Elektronik, Stromnetze, Photovoltaik und zahlreiche weitere industrielle Anwendungen benötigt. Die USA nahmen das Metall 2025 in ihre offizielle Liste der kritischen Mineralien auf.
Damit treffen bei Gold und Silber zwei unterschiedliche Entwicklungen aufeinander. Gold spielt vor allem im internationalen Reservesystem eine Rolle, während Silber zusätzlich von seiner industriellen Bedeutung geprägt wird.
BRICS und die Rolle des Dollars
Die BRICS Staaten beschäftigen sich seit Jahren damit, einen größeren Teil ihres Handels in nationalen Währungen abzuwickeln und ihre Zahlungssysteme stärker miteinander zu verbinden.
Von einer gemeinsamen BRICS Währung oder einer bevorstehenden Ablösung des Dollars kann derzeit keine Rede sein. Dafür unterscheiden sich die Interessen der Mitgliedstaaten zu stark.
Entscheidend ist etwas anderes: Es entstehen zusätzliche Wege, Geschäfte abzuwickeln, ohne dafür zwingend den Dollar zu benötigen.
Für ein Land wie Brasilien ist das besonders interessant. Es verbindet eine große Rohstoffbasis mit wirtschaftlichem Gewicht innerhalb der BRICS.
Brasilien erhöht seinen Goldanteil
Auch bei den Währungsreserven hat sich etwas verändert.
Die brasilianische Zentralbank erhöhte 2025 den Goldanteil ihrer Reserven von 3,55 auf 7,19 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der in US Dollar gehaltenen Anlagen von 78,45 auf 72 Prozent.
Daraus lässt sich keine Abkehr vom Dollar ableiten. Die Zentralbank selbst spricht von einer stärkeren Diversifizierung.
Trotzdem ist die Entwicklung bemerkenswert.
Gold unterscheidet sich grundlegend von klassischen Währungsreserven. Es ist keine Forderung gegenüber einer Bank oder einem anderen Staat und kann unabhängig von einem fremden Zahlungssystem gehalten werden.
Gerade in einer Welt, in der Staaten ihre finanziellen Abhängigkeiten überprüfen, bekommt diese Eigenschaft wieder mehr Gewicht.
Was kann die Wahl verändern?
Die Wahl selbst entscheidet weder über den Goldpreis noch über den Silberpreis.
Interessant wird, welchen Kurs Brasilien anschließend einschlägt. Setzt das Land die wirtschaftliche Zusammenarbeit innerhalb der BRICS fort? Werden alternative Zahlungswege weiterentwickelt? Bleibt die Diversifizierung der Währungsreserven bestehen? Und welchen Stellenwert bekommen die eigenen Rohstoffe?
Hier unterscheiden sich die möglichen politischen Richtungen. Für den Edelmetallmarkt sind jedoch weniger die Namen der Politiker entscheidend als die wirtschaftlichen Folgen ihrer Entscheidungen.
Genau deshalb lohnt es sich, Brasilien nach dem 4. Oktober weiter zu beobachten.
Gold, Silber und eine größere Verschiebung
Brasilien allein wird das weltweite Finanzsystem nicht verändern. Das Land könnte aber zeigen, wie sich eine größere Entwicklung fortsetzt.
Wenn internationale Handelsbeziehungen neu geordnet werden und Staaten ihre Abhängigkeit von einzelnen Währungen und Zahlungssystemen reduzieren wollen, gewinnen zwei Dinge an Bedeutung: eigene Rohstoffe und Reserven, über die man selbst verfügen kann.
Bei Gold ist dieser Zusammenhang unmittelbar erkennbar. Zentralbanken können es als Reserve halten, ohne dass eine Gegenpartei benötigt wird.
Bei Silber liegt der Schwerpunkt anders. Seine Bedeutung entsteht vor allem dort, wo industrielle Nachfrage auf strategische Rohstoffpolitik und begrenzte physische Verfügbarkeit trifft.
Die entscheidende Frage nach der brasilianischen Wahl lautet deshalb nicht, ob Gold oder Silber am nächsten Tag steigen.
Interessanter ist, ob Brasilien ein weiteres Beispiel dafür wird, dass sich wirtschaftliche Macht zunehmend auch daran bemisst, wer über Rohstoffe verfügt und welche Werte unabhängig von fremden Finanzsystemen gehalten werden können.
Genau darauf sollten wir nach der Wahl achten.
Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich der Information und stellt keine Kauf oder Verkaufsempfehlung für Gold, Silber oder andere Anlageprodukte dar.
Quellen: Reuters, U.S. Geological Survey (USGS), Banco Central do Brasil