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25 Jahre 9/11 – ein Freitag, den man beobachten sollte

25 Jahre 9/11 – ein Freitag, den man beobachten sollte

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Persönlicher Kommentar von Guido Makowski

Freitag, der 11. September 2026, wird kein gewöhnlicher Freitag.

Vor genau 25 Jahren veränderten die Anschläge vom 11. September 2001 die Welt. Allein dieser Jahrestag wird dafür sorgen, dass die internationale Aufmerksamkeit an diesem Tag außergewöhnlich hoch sein wird.

Doch unabhängig von der historischen Bedeutung treffen am kommenden Freitag mehrere Ereignisse auf Märkte, die bereits jetzt erstaunlich empfindlich reagieren.

Das konnte man vor wenigen Tagen beobachten.

Was geschah am vergangenen Freitag?

Am Freitag, dem 4. September, Punkt 14:30 Uhr deutscher Zeit, veröffentlichte das US Bureau of Labor Statistics die amerikanischen Arbeitsmarktdaten.

Die Zahlen überraschten deutlich positiv. Die US-Wirtschaft hatte im August 162.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent.

Die Reaktion erfolgte praktisch augenblicklich.

Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen stiegen. Die Erwartungen an die weitere Zinspolitik der Federal Reserve veränderten sich. Der Dollar legte zunächst zu.

Und Gold?

Der Goldpreis brach innerhalb kürzester Zeit wie an einer Schnur gezogen ein.

Das allein ist noch kein Hinweis auf eine Manipulation. Gerade bei wichtigen US-Konjunkturdaten reagieren computergesteuerte Handelssysteme innerhalb von Millisekunden. Wenn eine Zahl deutlich von den Erwartungen abweicht, können daraus sehr schnell große Bewegungen entstehen.

Interessant ist trotzdem, was danach geschah.

Gold wurde massiv nach unten gedrückt, fand auf dem niedrigeren Niveau aber wieder Käufer. Auch die anfängliche Stärke des Dollars konnte nicht vollständig gehalten werden.

Und selbst heute, am 7. September, ist das Bild bemerkenswert: Gold steht bei rund 4.400 US-Dollar. Gleichzeitig berichtet Reuters, dass der Dollar trotz der starken Arbeitsmarktdaten weiterhin unter Druck steht. Als Belastungsfaktoren werden unter anderem Sorgen über die amerikanische Staatsverschuldung und politische Unsicherheiten genannt.

Genau hier wird der vergangene Freitag interessant.

War der 4. September ein Testballon?

Das ist eine Frage, keine Behauptung.

Es gibt derzeit keinen belastbaren Beleg dafür, dass der Goldpreis am vergangenen Freitag gezielt gedrückt wurde, um den Dollar zu unterstützen oder die Attraktivität von Gold zu beschädigen.

Trotzdem lohnt es sich, die Bewegung im Gedächtnis zu behalten.

Denn der 4. September hat etwas gezeigt:

Ein starkes Signal aus den USA genügte, um Dollar, Anleiherenditen und Gold innerhalb von Sekunden erheblich zu bewegen.

Wer wissen wollte, wie empfindlich diese Märkte momentan reagieren, hat am vergangenen Freitag eine Antwort bekommen.

Dabei muss eine mögliche Unterstützung des Dollars nicht ausschließlich darin bestehen, dessen Wechselkurs nach oben zu bewegen.

Es geht auch um Wahrnehmung.

Ein immer weiter steigender Goldpreis sendet ein unangenehmes Signal. Gold wirft keine Zinsen ab, ist die Verbindlichkeit keines Staates und kann nicht beliebig vermehrt werden. Wenn Anleger trotzdem bereit sind, immer höhere Dollarpreise dafür zu bezahlen, kann das auch als Ausdruck sinkenden Vertrauens in Papierwährungen und Staatsanleihen verstanden werden.

Ein plötzlich einbrechender Goldpreis erzeugt dagegen ein völlig anderes Bild.

Gold erscheint riskant. Der Dollar erscheint stärker. US-Staatsanleihen werden durch höhere Renditen attraktiver.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass genau dies am vergangenen Freitag bewusst herbeigeführt wurde.

Aber es erklärt, warum Gold inzwischen weit mehr ist als nur ein Rohstoffpreis.

Eine Woche später: wieder 14:30 Uhr

Und genau deshalb lohnt der Blick auf den kommenden Freitag.

Am 11. September um 14:30 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht das US Bureau of Labor Statistics die Verbraucherpreise für August.

Nicht ungefähr zur gleichen Zeit.

Exakt um 14:30 Uhr.

Damit bekommt der Markt genau eine Woche nach dem Arbeitsmarktbericht das nächste wichtige Signal für die amerikanische Geldpolitik.

Die Verbraucherpreise sind derzeit besonders bedeutend. Der US-Arbeitsmarkt hat der Federal Reserve mit den überraschend starken August-Zahlen mehr Spielraum gegeben. Nun wird entscheidend, was die Inflation macht.

Fällt sie höher aus als erwartet, könnten die Erwartungen an steigende US-Zinsen weiter zunehmen. Das könnte die Treasury-Renditen unterstützen, dem Dollar helfen und Gold erneut unter Druck setzen.

Fällt die Inflation dagegen niedriger aus, kann die Bewegung genau in die andere Richtung laufen.

Der Donnerstag davor ist ebenfalls wichtig: Am 10. September werden um 14:30 Uhr deutscher Zeit bereits die amerikanischen Erzeugerpreise veröffentlicht.

Der Markt bekommt damit innerhalb von 24 Stunden zwei wichtige Inflationssignale.

Und gleichzeitig beginnt der BRICS-Gipfel

Am 11. September beginnt in Neu-Delhi außerdem der 18. BRICS-Gipfel, der bis zum 13. September dauert.

Auch hier ist eine saubere Trennung wichtig.

Es gibt keinen Beleg dafür, dass der BRICS-Gipfel, die amerikanischen Inflationsdaten und der 25. Jahrestag von 9/11 miteinander zusammenhängen.

Sie finden lediglich gleichzeitig statt.

Aber genau diese Gleichzeitigkeit macht den Tag ungewöhnlich.

BRICS beschäftigt sich seit Jahren unter anderem mit einer stärkeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit außerhalb der traditionellen westlich dominierten Strukturen. Dazu gehören auch Zahlungssysteme und die Frage, wie stark der Handel zwischen Mitgliedstaaten weiterhin vom US-Dollar abhängig sein muss.

Das bedeutet nicht, dass BRICS am Freitag eine neue Weltwährung präsentieren oder den Dollar ablösen wird. Solche Erwartungen wären Spekulation.

Aber jede konkrete Aussage zu Handel, Zahlungsverkehr, Reserven oder einer geringeren Dollarabhängigkeit dürfte an diesem Wochenende besonders aufmerksam verfolgt werden.

Dazu kommt ein neuer Faktor: Öl

Seit unserer ersten Betrachtung hat sich noch etwas verändert.

Die Ölpreise sind wieder deutlich gestiegen.

Brent notiert inzwischen um 97 US-Dollar je Barrel. Damit rückt ein Problem zurück in den Vordergrund, das die Zentralbanken eigentlich gerne hinter sich lassen würden: Energie kann erneut Inflationsdruck erzeugen.

Für Gold entsteht daraus eine interessante Situation.

Geopolitische Unsicherheit und steigende Energiepreise können die Nachfrage nach Gold unterstützen.

Steigende Inflation kann aber gleichzeitig die Erwartung höherer Zinsen verstärken. Höhere Renditen wiederum sind normalerweise Gegenwind für Gold und Unterstützung für den Dollar.

Der Markt befindet sich damit in einem Spannungsfeld, in dem dieselbe Entwicklung unterschiedliche Kräfte auslösen kann.

Und über allem stehen die Schulden

Bei all den täglichen Konjunkturdaten sollte das größere Problem nicht vergessen werden.

Die amerikanische Staatsverschuldung verschwindet nicht, weil ein Arbeitsmarktbericht gut ausfällt.

Auch ein starker Dollar für einige Stunden verändert daran nichts.

Die USA müssen enorme Schuldenbestände finanzieren und immer wieder neue Staatsanleihen am Markt platzieren. Dafür braucht es Käufer.

Je höher die Renditen steigen, desto attraktiver können diese Anleihen für Anleger werden. Gleichzeitig verteuert sich damit aber langfristig die Finanzierung des amerikanischen Staates.

Genau deshalb sollte man nicht nur auf den Dollar schauen.

Man sollte gleichzeitig beobachten, was mit den amerikanischen Staatsanleihen passiert.

Am Freitag muss überhaupt nichts passieren

Das ist vielleicht der wichtigste Satz dieses Kommentars.

Am 11. September muss überhaupt nichts Außergewöhnliches passieren.

Ein Jahrestag ist kein Marktindikator.

Ein BRICS-Gipfel ist kein Beweis für einen Angriff auf den Dollar.

Und ein fallender Goldpreis ist kein Beweis für Manipulation.

Aber Märkte reagieren nicht nur auf Ereignisse. Sie reagieren auf Erwartungen, Überraschungen und darauf, wie viele Marktteilnehmer gleichzeitig in dieselbe Richtung positioniert sind.

Der vergangene Freitag hat gezeigt, wie schnell das momentan gehen kann.

Um 14:30 Uhr kam eine Zahl.

Sekunden später sah die Welt an den Finanzmärkten anders aus.

Genau eine Woche später kommt zur selben Uhrzeit die nächste wichtige Zahl.

Deshalb erscheint der 11. September 2026 weniger als Tag, vor dem man Angst haben sollte.

Er ist vielmehr ein Tag, an dem es sich lohnt, besonders genau hinzusehen.

Nicht nur auf Gold.

Auf den Dollar.

Auf die Renditen amerikanischer Staatsanleihen.

Auf Öl.

Auf die Reaktion der Aktienmärkte.

Und auf das, was beim BRICS-Gipfel tatsächlich beschlossen und nicht nur darüber spekuliert wird.

Vielleicht passiert nichts Besonderes.

Vielleicht bewegen sich die Märkte nur ein wenig.

Und vielleicht werden die Tagesthemen am Abend tatsächlich ganz andere sein als am Morgen erwartet.

Der Unterschied zwischen Aufmerksamkeit und Panik besteht darin, nicht vorher wissen zu wollen, was passieren wird.

Sondern vorbereitet zu sein, wenn etwas passiert.

Der 4. September hat gezeigt, wie empfindlich die Märkte derzeit sind.

Der 11. September wird zeigen, ob das nur eine Momentaufnahme war.


Hinweis: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Einschätzung von Guido Makowski auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen und seiner jahrzehntelangen Beobachtung des Edelmetall- und Finanzmarktes wieder. Er stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

Quellen

U.S. Bureau of Labor Statistics – Veröffentlichungskalender September 2026 und Consumer Price Index
Reuters – US-Arbeitsmarktbericht und Marktreaktionen vom 4. September 2026
Reuters – Internationale Märkte, Gold, Dollar, Staatsanleihen und Öl, 7. September 2026
Reuters – Goldmarkt und Zinserwartungen, 7. September 2026
Indian Express – BRICS Summit 2026, Neu-Delhi, 11.–13. September 2026