Sonntag, 15. August 1971. Ein Datum, das heute nur wenige Menschen kennen. Dabei jährte sich dieser Tag gerade zum 55. Mal und für unser heutiges Geldsystem ist er von großer Bedeutung.
Am Abend wandte sich US-Präsident Richard Nixon in einer Fernsehansprache an die amerikanische Bevölkerung. Neben verschiedenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen verkündete er eine Entscheidung mit weltweiten Folgen: Die Vereinigten Staaten setzten die Konvertierbarkeit des US-Dollars in Gold aus.
Damit wurde eine zentrale Grundlage der damaligen internationalen Währungsordnung außer Kraft gesetzt.
Als 35 Dollar noch eine Feinunze Gold bedeuteten
Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete das sogenannte Bretton-Woods-System die Grundlage der internationalen Währungsordnung. Die teilnehmenden Staaten hielten ihre Währungen in festen, grundsätzlich anpassbaren Wechselkursen zum US-Dollar. Der Dollar wiederum war zu einem festgelegten Kurs an Gold gebunden:
35 US-Dollar entsprachen einer Feinunze Gold.
Das bedeutete allerdings nicht, dass jeder Bürger seine Dollar einfach bei einer Bank gegen Gold eintauschen konnte. Die Goldkonvertibilität galt im internationalen Währungssystem. Ausländische Zentralbanken und Regierungen konnten Dollarreserven grundsätzlich zum festgelegten Kurs in amerikanisches Gold umtauschen.
In den 1960er Jahren geriet diese Konstruktion zunehmend unter Druck. Die außerhalb der USA gehaltenen Dollarbestände nahmen deutlich zu, während die amerikanischen Goldbestände zurückgingen.
Die USA standen damit vor einem Problem: Immer größeren Dollarverbindlichkeiten gegenüber dem Ausland stand ein begrenzter Goldbestand gegenüber.
Verschiedene Versuche, das System zu stabilisieren, konnten dieses grundlegende Problem nicht dauerhaft lösen.
Die Entscheidung in Camp David
Vom 13. bis zum 15. August 1971 beriet sich Nixon in Camp David mit seinen wichtigsten wirtschaftspolitischen Beratern. Dazu gehörten Finanzminister John Connally, der Vorsitzende der US-Notenbank Arthur Burns und Paul Volcker, der später selbst Vorsitzender der Federal Reserve werden sollte.
Am Abend des 15. August verkündete Nixon schließlich seine Entscheidung.
Das sogenannte amerikanische Goldfenster wurde geschlossen. Ausländische offizielle Stellen konnten ihre Dollarreserven nicht mehr zum bisherigen Kurs von 35 Dollar je Feinunze gegen amerikanisches Gold eintauschen.
Bretton Woods verschwand allerdings nicht innerhalb eines Tages. Im Dezember 1971 versuchten die führenden Industriestaaten mit dem Smithsonian Agreement, das System fester Wechselkurse zu erhalten. Der Dollar wurde abgewertet und neue Wechselkurse wurden vereinbart.
Auch diese Konstruktion hielt nicht lange. Im März 1973 gingen wichtige Währungen schließlich zu flexiblen Wechselkursen gegenüber dem Dollar über.
Damit war die Währungsordnung von Bretton Woods Geschichte.
Was hat das mit unserem heutigen Geld zu tun?
Unsere heutigen Währungen besitzen keine festgelegte Golddeckung. Es besteht keine Verpflichtung, eine bestimmte Anzahl Euro oder Dollar gegen eine festgelegte Menge Gold einzutauschen.
Auch der Euro funktioniert nach diesem Prinzip.
Interessant wird das bei der Frage nach der langfristigen Kaufkraft.
Die Europäische Zentralbank definiert Preisstabilität heute mit einem Inflationsziel von 2 Prozent auf mittlere Sicht. Preisstabilität bedeutet also nicht, dass das allgemeine Preisniveau dauerhaft unverändert bleiben soll.
Die langfristige mathematische Wirkung lässt sich einfach verdeutlichen:
Bei einer konstanten Inflation von genau 2 Prozent würde sich das allgemeine Preisniveau nach rund 35 Jahren ungefähr verdoppeln.
Was heute durchschnittlich 100 Euro kostet, würde dann rechnerisch etwa 200 Euro kosten.
Natürlich entwickeln sich einzelne Preise unterschiedlich. Die Inflationsrate beschreibt die durchschnittliche Preisentwicklung eines Warenkorbs.
Für die Betrachtung von Geldvermögen ergibt sich daraus ein wichtiger Unterschied:
Nicht allein die Zahl auf dem Konto ist entscheidend, sondern was man sich dafür kaufen kann.
Gold verschwand nicht aus dem Finanzsystem
Mit dem Ende der Goldkonvertibilität änderte sich die Funktion des Edelmetalls grundlegend. Gold verschwand jedoch keineswegs aus dem internationalen Finanzsystem.
Zentralbanken halten auch heute erhebliche Goldreserven. Und gerade in den vergangenen Jahren haben sie ihre Bestände deutlich ausgebaut.
Nach Angaben des World Gold Council lag die Goldnachfrage der Zentralbanken in den vergangenen vier Jahren bei durchschnittlich rund 1.000 Tonnen pro Jahr. Im vorhergehenden Jahrzehnt waren es durchschnittlich etwa 500 Tonnen jährlich.
Auch die Central Bank Gold Reserves Survey 2026 liefert interessante Zahlen. An ihr nahmen 76 Zentralbanken teil.
89 Prozent erwarten, dass die weltweiten Goldreserven der Zentralbanken innerhalb der kommenden zwölf Monate steigen werden. 45 Prozent erwarten eine Erhöhung der Goldreserven ihrer eigenen Zentralbank. 84 Prozent gehen davon aus, dass Gold in fünf Jahren einen höheren Anteil an den weltweiten Währungsreserven haben wird als heute.
Als wichtige Eigenschaften von Gold nennen die befragten Zentralbanken unter anderem den langfristigen Werterhalt, die Diversifikation der Reserven und seine Bedeutung in Krisenzeiten.
Eine Rückkehr zum Goldstandard lässt sich daraus nicht ableiten. Dafür gibt es keinen belastbaren Hinweis.
Es zeigt jedoch, dass Gold auch 55 Jahre nach dem historischen Einschnitt von 1971 weiterhin Bestandteil des internationalen Reservensystems ist.
Was können wir daraus lernen?
Unser heutiges Geldsystem ist kein Naturgesetz.
Bretton Woods wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen und bestimmte jahrzehntelang die internationale Währungsordnung. Als das System zunehmend unter Druck geriet, wurde es verändert und schließlich aufgegeben.
Heute gelten andere Regeln.
Aus dieser Geschichte lässt sich weder ableiten, wohin sich der Goldpreis entwickeln wird, noch dass das damalige Geldsystem grundsätzlich besser war als das heutige.
Sie zeigt aber, warum die Geschichte des Geldes für Besitzer von Gold interessant bleibt.
Währungssysteme können verändert werden. Wechselkurse können neu geordnet und geldpolitische Regeln angepasst werden. Genau das ist in der Vergangenheit mehrfach geschehen.
Gold besitzt dagegen eine Eigenschaft, die von solchen Entscheidungen unabhängig ist:
Eine Feinunze Gold bleibt eine Feinunze Gold.
Vielleicht ist gerade deshalb der 15. August 1971 ein Datum, das man auch 55 Jahre später noch kennen sollte.
Quellen
Federal Reserve History: Nixon Ends Convertibility of U.S. Dollars to Gold and Announces Wage/Price Controls
Federal Reserve History: Creation of the Bretton Woods System
U.S. Department of State, Office of the Historian: Nixon and the End of the Bretton Woods System, 1971–1973
Europäische Zentralbank: Informationen zum Preisstabilitätsziel und zum mittelfristigen Inflationsziel von 2 Prozent
World Gold Council: Central Bank Gold Reserves Survey 2026, veröffentlicht am 16. Juni 2026
World Gold Council: Daten und Analysen zur Goldnachfrage der Zentralbanken
Keine Anlageberatung. Edelmetalle unterliegen Preisschwankungen. Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung.